Warum dieses Buch?

Bei Flüssiggas handelt es sich um einen Energieträger, der in Deutschland bereits seit vielen Jahrzehnten bekannt ist und in einer Vielzahl von Bereichen angewendet wird: von den privaten Haushalten und der Industrie als leitungsungebundene Wärmeenergie für die Raumbeheizung, das Erwärmen von Brauchwasser sowie als Prozessenergie, als alternativer Kraftstoff in der Mobilität, als Ausgangsstoff in der chemischen Industrie oder auch als Treibgas in Spraydosen. Warum also ein neues Grundlagenwerk zu einem Gas, das bereits vor über 100 Jahren in Deutschland entdeckt wurde und in etwa ebenso lang genutzt wird? Aus folgenden Gründen:

Die Energiewelt verändert sich

Die Energiewende ändert die Art und Weise, wie wir Energie erzeugen und nutzen. Denn bei der Energiewende geht es um nicht weniger als den Umbau eines Energiesystems, das sich maßgeblich auf die Verbrennung fossiler Energien mit hohem CO2-Ausstoß und den Einsatz von Kernkraft stützt, hin zu einer Energiewirtschaft, die auf erneuerbaren Energien basiert und kaum Treibhausgase emittiert. Bis 2050 soll Deutschland, nach Plänen der Bundesregierung, bereits treibhausgasneutral sein. Dafür müssen CO2-intensive kurz- bis langfristig durch CO2-arme bis -freie Energien und Technologien ersetzt werden. Eine dieser Energien ist Flüssiggas (LPG). Im Rahmen der Energiewende-Diskussion wird sie jedoch häufig vergessen oder aber deren Umweltleistungen unterschätzt. Das liegt auch daran, dass um den Energieträger viele Vorurteile kursieren, etwa, dass Flüssiggas eine schlechtere Umwelt- und Klimabilanz als Erdgas aufweist.

Mit Vorurteilen aufräumen

Flüssiggas besteht hauptsächlich aus den beiden Gasen Propan und Butan. Propan hat über einen Betrachtungszeitraum von 100 Jahren ein Treibhausgaspotenzial (GWP für Global Warming Potential) von 3, Butan von 4. Das bedeutet, dass sich Propan drei Mal stärker und Butan 4 Mal stärker auf die globale Erwärmung auswirkt als CO2. Das klingt zunächst viel. Betrachtet man im Vergleich dazu jedoch Methan als Hauptbestandteil von Erdgas, weist dieses ein GWP100  von 25 auf. Erdgas trägt somit 25 Mal stärker zur Erderwärmung bei als CO2. Dies ist einer der Gründe dafür, warum Methan im Kyoto-Protokoll zum Rahmenübereinkommen der UN über Klimaänderungen offiziell als Treibhausgas gelistet ist – Flüssiggas hingegen nicht.

Das Werk möchte bestehende Wissenslücken schließen, mit gängigen Vorurteilen aufräumen und einen Beitrag zur Diskussion um alternative Energien in Deutschland leisten. Es tut dies auf Basis aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse sowie unter Angabe von Quellen.

Flüssiggas wird grün und erneuerbar

Flüssiggas (LPG) gilt fälschlicherweise häufig als Energieträger der alten fossilen Energiewelt, weil er in den Raffinerien traditionell als Nebenprodukt bei der Verarbeitung von Rohöl oder auch bei der Förderung von Erdöl und -gas anfällt. Außerhalb der Flüssiggasbranche ist kaum bekannt, dass biogenes Flüssiggas seit 2018 in Deutschland erhältlich ist und auch bereits erfolgreich im Wärmemarkt genutzt wird. Hier lässt es sich etwa in Heizsystemen, wie Bennwertthermen, Brennstoffzellen oder Blockheizkraftwerken einsetzen. Diese zeichnen sich dadurch aus, dass sie die eingesetzte Energie sehr effizient nutzen und deshalb hohe Wirkungsgrade erreichen. Sogenanntes Bio-Flüssiggas, oder auch BioLPG, lässt sich etwa aus pflanzlichen Rest- und Abfallstoffen gewinnen. Es reduziert die Treibhausgasemissionen von herkömmlichem Flüssiggas noch einmal um bis zu 90%. Das bedeutet, dass biogenes Flüssiggas kaum CO2 ausstößt und damit bereits einen Beitrag zur Dekarbonisierung des Wärmemarkts in Deutschland leistet.

Ebenso wenig ist bekannt, dass es auch möglich ist, synthetisches Flüssiggas herzustellen. Dafür wird Wasser unter Einsatz von (Öko-)Strom in Sauerstoff und Wasserstoff aufgespalten. Der Wasserstoff wird dann zusammen mit CO2 in Kohlenwasserstoffe, wie Propan und Butan, umgewandelt. Ein Vorteil dabei ist, dass klimaschädliches CO2 direkt aus der Luft oder auch aus CO2-intensiven Industrien, wie der Stahlverarbeitung, entnommen und einer sinnvollen Nutzung zugeführt werden kann. Bei der Verbrennung von synthetischem Flüssiggas entstehen zwar auch Treibhausgase. Diese entsprechen jedoch in etwa der Menge, die für die Herstellung des Gases zuvor aus der Umwelt entnommen wurde. Die Treibhausgasbilanz ist deshalb ausgeglichen.

Neue Anwendungsbereiche

Im Zuge der Energiewende ergeben sich zunehmend neue Anwendungsbereiche, so etwa als natürliches Kältemittel im Kälte- und Klimasektor (vergleiche hierzu auch Flüssiggase als natürliche Kältemittel ). Das Werk stellt innovative Entwicklungen und Technologien der Flüssiggasbranche vor und diskutiert, wie diese zur Umsetzung der Energiewende beitragen können.

Beitrag zur Gestaltung der Energiewende im ländlichen Raum

Ein Bereich, der im Rahmen der Diskussion um die Energiewende in Deutschland und Europa häufig vernachlässigt wird, ist der geografische Raum jenseits großer Städte und Ballungsräume. Dieser ist nicht nur in besonderer Weise von den Auswirkungen der Umwelt- und Klimaänderungen betroffen, sondern er kann auch eine wichtige Rolle bei der nachhaltigen Umsetzung der Energieversorgung spielen. Ländliche Räume unterscheiden sich häufig in wichtigen Aspekten von städtischen Gebieten, etwa durch ihre tendenziell geringere Bevölkerungsdichte oder auch hinsichtlich des Ausbaus an Infrastruktur- und Versorgungseinrichtungen. Flüssiggas ist aufgrund seiner spezifischen Eigenschaften, wie der Leitungsungebundenheit, besonders dafür geeignet, die Energiewende im ländlichen Raum zeitnah, nachhaltig und vor allem bezahlbar zu begleiten und zu gestalten. Das Buch widmet der Rolle von Flüssiggas in ländlichen Gebieten deshalb ein eigenes Kapitel.

Flüssiggas als Global Player

Über den globalen Flüssiggasmarkt ist in Deutschland bislang wenig bekannt. Dabei spielt Flüssiggas als umweltfreundliche und kostengünstige Energie in Deutschlands Nachbarländern Polen, Tschechien, Italien, Frankreich und den Beneluxländern eine sehr wichtige und oft sogar größere Rolle. Das verweist auf das große Potenzial von LPG auf dem deutschen Markt, das es dringend zu nutzen gilt, wenn Deutschland seine Klima- und Energieziele zügig und kosteneffizient erreichen möchte.

Auch aus der Entwicklungszusammenarbeit ist das Gas nicht mehr wegzudenken. Hier ersetzt es etwa Holz, Holzkohle und Petroleum als schadstoffarme und leitungsungebundene Energie. Davon profitiert nicht nur die Gesundheit der lokalen Bevölkerung, sondern auch die Lunge unseres Planeten: die Wälder. Das Werk betrachtet in den Kapiteln 13 und 14 deshalb die Bedeutung von Flüssiggas für die europäische und globale Energiewende (vergleiche hierzu auch Der europäische Flüssiggasmarkt sowie Flüssiggas in der Welt: Energieträger von globaler Bedeutung).

Die Autoren haben sich intensiv mit den Chancen von Flüssiggas beschäftigt, entweder weil es sie bereits ihr ganzes Leben begleitet oder weil sie im Zuge ihrer Recherchen beeindruckt von den Potenzialen und Möglichkeiten waren, die dieses Produkt bietet. Eine effiziente Energieversorgung hat unmittelbaren Einfluss sowohl auf unseren Wohlstand als auch auf das Gelingen des Umwelt- und Klimaschutzes, insb. auf dessen gesellschaftliche Akzeptanz. Die mittelständisch geprägte Flüssiggaswirtschaft kann hierzu noch deutlich mehr beitragen als bisher.

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